Ohne Einnahmen sehen Vereine Nachwuchsarbeit gefährdet

Landesmusikverband Rheinland-Pfalz sieht 

Verbesserungspotential bei Kulturförderung

Fachverbände in Entwicklung der Hilfspakete nicht eingebunden

 

Der Präsident des Landesmusikverband Rheinland-Pfalz, Achim Hallerbach, begrüßt das Förderprogramm der Landesregierung für Kulturschaffende. Gleichzeitig fordert er aber auch Verbesserungen für die Mitglieder seines Verbands. Grundsätzlich sei die Bereitstellung von 15,5 Millionen Euro für die Kultur in Rheinland-Pfalz zur Bewältigung der Corona-Krise positiv zu bewerten. Dass die Landesregierung nach erheblichem Druck einzelner Verbände und zahlreicher Kulturschaffender endlich ein Programm vorlegt, sei ein spätes, aber gutes Signal. Allerdings werden durch dieses Hilfsprogramm zahlreiche freischaffende Musikerinnen und Musiker nicht erreicht. Diese Mängel seien u.a. auch dadurch entstanden, dass die Fachverbände in die Entwicklung der Hilfspakete nicht eingebunden worden seien.

“Bei allem Lob über die Unterstützung bleiben als Wermutstropfen jedoch noch Fragen. Warum wurde beispielsweise keine Grundfinanzierung für die Freischaffenden entwickelt, sondern lediglich ein „Arbeitsstipendium“ in Höhe von 2.000 Euro für online verwertbare Arbeitsergebnisse? Viele Honorarkräfte im musikpädagogischen Bereich sowie ausübende Musikerinnen und Musiker werden somit nicht berücksichtigt”, bemängelt Achim Hallerbach das Konzept.

Für Musikpädagogen ist es nicht üblich, sich beispielsweise als Solist im Internet zu präsentieren, wie es für freie Chor- oder Ensembleleiter ohne Ensemble auch schwer sein wird online künstlerisch zu überzeugen. Auch die Voraussetzung der Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse grenze zahlreiche professionelle Musikerinnen und Musiker sowie Lehrkräfte aus.

Sehr befremdlich für den Landesmusikverband Rheinland-Pfalz ist, dass die Vereine gezwungen sind, vorrangig ihre Rücklagen aufzulösen, bevor sie überhaupt in den Genuss von Unterstützungsleistungen des Landes kommen. „Jedoch sind gerade die Rücklagen für die gemeinnützigen Vereine für künftige Anschaffungen und Investitionen und als Betriebsmittelrücklagen auch für Mieten, Löhne und Gehälter gebildet worden. Wenn hier zwingend die Auflösung dieser Rücklagen gefordert wird, geht es an die Substanz und die Fundamente unserer Vereine“, betont Präsident Achim Hallerbach.

“Unsere Vereine geraten gerade in größte Not. Im Sommer generieren Vereine und Musiker durch Auftritte und Einnahmen bei Festen ihren finanziellen Grundstock, um dann mit Rücklagen über Winter bis zur ersten Hälfte des neuen Jahres finanziell abdecken zu können. Nun entfallen coronabedingt sämtliche Einnahmemöglichkeiten und unseren Vereinen fehlt es an wichtigen Mitteln, um beispielsweise Nachwuchsarbeit und Qualifizierungskurse durchzuführen. Hier bedarf es dringender Nachbesserung seitens des Landes”, fordert Hallerbach. Andernfalls sei zu befürchten, dass im Januar 2021 Vereine ihren Betrieb einstellen werden und sich auflösen werden.

Der Landesmusikverband Rheinland-Pfalz vertritt 19 Kreismusikverbände und 775 Musikvereinigungen mit insgesamt rund 29.300 aktiven Musikerinnen und Musikern, davon 12.600 unter 27 Jahre und 43.700 fördernde Mitglieder.