suche in:
Jugendarbeit im Musikverein - Vortrag von Claudia Maximini
Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Kreismusikverbandes Trier-Saarburg am 21. März 2010 in Schillingen hielt die Kreisjugendleiterin einen beachtenswerten Vortrag. Sie finden diesen Vortrag auf den nächsten Seiten.

Jugendarbeit im Musikverein

- Ein Vortrag zur Jahreshauptversammlung des KMV Trier-Saarburg am 21.3.2010 –

Sehr geehrte Damen und Herren!

Kinder- und Jugendarbeit ist ein wichtiger Punkt in der Arbeit eines Musikvereines, denn ohne eine gute und kontinuierliche Nachwuchsgewinnung ist es schwer, einen Verein aufrecht zu erhalten. Innerhalb eines Musikvereines können Kinder und Jugendliche auf spielerische Art und Weise nicht nur ein Instrument, sondern auch ein angemessenes Sozialverhalten erlernen. Bei der Ausübung eines Hobbies, insbesondere beim Spielen eines Musikinstrumentes, sind die Aspekte des Lernens und Übens ebenso gegeben wie ein ausgewogenes Miteinander der unterschiedlichen Generationen. Vereine geben ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, Freundschaften können geschlossen und darüber hinaus gepflegt werden, und sie ermöglichen eine äußerst sinnvolle Freizeitgestaltung. Man kann sagen, dass die Jugendlichen durch eine soziale Vereinsanbindung gerade in der Selbstfindung nachhaltig unterstützt werden können. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung bietet gleichzeitig die Möglichkeit Verantwortung für das eigene Leben zu erlernen. Gelingt die Integration eines Kindes in einem Verein, so kann man beobachten, wie ein persönliches Selbstwertgefühl, und in manchen Fällen auch eine fördernde Konkurrenz, entsteht. Voraussetzung ist dabei immer, die Interessen des Kindes im Auge zu behalten.

Leider herrscht in vielen Musikvereinen die Denkweise, dass sie nur für die musikalische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen sorgen sollen. Aber das ist ein Irrglaube. Denn wenn das „Drumherum“ nicht stimmt, bleiben die Kinder, und vor allem die Jugendlichen, nicht lange Mitglied des Vereins. So sind einige Musikvereine schon dazu übergegangen, zusammen mit anderen Vereinen im Dorf zu kooperieren oder selbst niederschwellige Angebote anzubieten.

Niederschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche, was heißt das eigentlich? Niederschwelllig bedeutet leicht zugänglich. Es sollten Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern geschaffen werden, die diese ansprechen und an denen sie gerne teilnehmen, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen oder erst viel zu investieren. Viele Menschen kennen Musikvereine nur von Festen, bei denen diese den Frühschoppen spielen, die Messe begleiten oder für die Nachmittagsunterhaltung sorgen. Dabei sitzen sie meistens auf der Bühne und spielen ihr Programm. Manche bleiben danach noch kurz, ndere sind aber schnell wieder fort. So ist es schwierig, in Kontakt mit den Vereinsmitgliedern zu treten. Mittlerweile haben aber auch einige Vereine dieses Problem erkannt und bieten Kinderschminken an oder lassen die Kinder der Festbesucher die unterschiedlichen Instrumente ausprobieren. Die Landesmusikjugend hat zum Beispiel einen Saftstand oder das Klangzelt, das Kindern die Möglichkeit bietet, Geräusche auf unterschiedlichen Schlaginstrumenten zu produzieren. Diese Stände kann man auch ausleihen und somit beim Fest präsent sein und Interesse erwecken.

Musikvereine haben leider das Problem, dass eine Zugehörigkeit das Beherrschen eines Instrumentes voraussetzt. Dieses Problem haben Sportvereine und Feuerwehren nicht, wodurch sie auch viel niederschwelliger arbeiten können. Jugendfeuerwehren verbringen viel Zeit damit, die Kinder und Jugendlichen kennen zu lernen, ihre Stärken und Schwächen zu sehen und sie somit gezielt auszubilden. Am Anfang werden viele Spiele gespielt, um den Gemeinschaftssinn zu wecken. Im Musikverein macht ein Kind erst eine mindestens 2-jährige Ausbildung, manchmal in Form von Einzelunterricht, manchmal in Kleinst-Gruppen. Die Kinder kommen erst in den Kontakt mit dem Verein, wenn sie so weit sind, im Orchester mitspielen zu können. Dabei wäre es auch von Anfang an schon möglich, diese Kinder zu integrieren, indem man regelmäßig außermusikalische Angebote anbietet, wie zum Beispiel einen gemeinsamen Kino oder Schwimmbadbesuch, ein Grillfest, Spielenachmittage oder ähnliches. Dadurch fühlen sie sich viel früher als Teil der Gemeinschaft und freuen sich schon auf die Aufnahme ins Orchester.

Für viele Familien ist es eine große Hürde, ein teures Instrument zu kaufen oder zu mieten, wenn sie nicht wissen, ob das Kind überhaupt Freude am gemeinsamen Musizieren entwickelt und sich lange damit beschäftigt. Vielen fehlt leider auch das Geld, was es vor allem für Kinder von Familien mit Migrationshintergrund schwierig macht, sich für den Musikverein zu begeistern. Aber hier gibt es Unterstützungssysteme vom Land, die sich gezielt mit diesen Problemen auseinandersetzten, aber leider viel zu selten abgerufen werden.

Ist die Hürde, die Entscheidung für eine Ausbildung beim Musikverein zu treffen, genommen, ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen zu integrieren. Doch wie kann man Kinder und Jugendliche in einen Verein integrieren und sie somit auch halten?

Vielen Vereinen gelingt es, Kinder für die musikalische Ausbildung an einem Instrument zu interessieren und sie auf diese Weise eine Zeit lang an den Verein zu binden. Ein mal größerer, mal kleinerer Prozentsatz der Auszubildenden wird dann nach ein paar Jahren in den Verein aufgenommen und „darf“ im großen Orchester mitspielen. Doch von den Kindern, die in den Verein übernommen wurden, bleiben immer weniger über viele Jahre dabei. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: zum Einen sind einige mit den schwereren Musikstücken überfordert. Sie sehen, dass sie viel mehr üben müssten, um das Niveau halten zu können und auch kleine Erfolgserlebnisse zu haben. Bei diesem Beginn im Orchester ist es also sehr wichtig, den Kindern eine Art Starthilfe zu geben. Beispielsweise können verschiedene Vororchester angeboten werden, in denen die Kinder langsam an schwerere Stücke herangeführt werden und auch erfahren können, wie es ist, sich in einem Orchester zu integrieren. Oder man findet Erwachsene, die sich den „Neuen“ annehmen, ihnen Fragen beantworten, mit ihnen schwere Stellen einüben oder sich einfach neben sie setzen und die Stimmen mitspielen, dass die Jüngeren wissen, wo ihr Einsatz ist und die zu spielende Stimme hören können. Ist der Einstieg ins Orchester gut verlaufen, bleiben die meisten auch dabei, fühlen sich wohl und können sich langsam in den Verein integrieren. Dabei helfen auch gemeinsame Unternehmungen, bei denen die Musik nicht im Vordergrund steht sondern Gemeinsamkeit und Gruppengefühl. Das können Spieleabende sein, entweder nur für die Kinder und Jugendlichen oder für den ganzen Verein. Wenn die Atmosphäre im Verein stimmt, sind auch ältere Vereinsmitglieder für die unterschiedlichsten Aktivitäten zu begeistern. Denn es gibt Freizeitmöglichkeiten, an den jüngere und ältere Spaß haben und auch gemeinsam etwas erleben können. Ein Musikverein aus dem Kreis Altenkirchen hat beispielsweise einen gemeinsamen Wandertag durchgeführt. Doch an diesem Tag wurde nicht einfach nur gewandert. Die Organisatoren, darunter viele Jugendliche, haben sich eine Art Schnitzeljagd überlegt, bei der nur altersgemischte Gruppen eine Chance hatten zu gewinnen. Die Teilnehmer wurden in Gruppen aufgeteilt, und es galt, einen Parcours durch den nahe gelegenen Wald zu absolvieren. Dies gelang sehr gut, und durch die unterschiedlichen Gruppen kam es am Abend beim gemeinsamen Grillen sogar zu einer Durchmischung des gesamten Vereins. Es haben sich keine Gruppen abgesetzt, nein, alle haben gemeinsam gefeiert. Dies kann zu einem besseren Verständnis der Generationen untereinander führen und somit zu einem besseren Zusammenhalt und Gruppengefühl des Vereins. Denn die Heterogene Altersstruktur in den Vereinen führt regelmäßig zu Verständigungsproblemen und Konflikten, angefangen beim Repertoire, bis hin zu Verhaltens- und Disziplin-Grundsätzen.

Häufig ist zu beobachten, dass vor allem Jugendliche aus für Erwachsene meist unerfindlichen Gründen nach einiger Zeit dem Verein fern bleiben. Um diese Gründe zu verstehen, muss man sich in die Jugendlichen hinein versetzen. Im Alter zwischen 12 und 20 gibt es so viele Neuerungen und Veränderungen für Jugendliche. Sie wechseln die Schule, finden neue Freunde, die nicht dem Musikverein angehören, ändern ihre Interessen und müssen vor allem lernen, sich langsam in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden, sich selbst neu kennenzulernen und viele für ihr späteres Leben wichtige Entscheidungen zu treffen. Fühlen sie sich dabei im Musikverein nicht Ernst genommen und akzeptiert, finden sie hier keine Unterstützung, dann ziehen sie häufig andere Aktivitäten dem Musikverein vor. Deshalb ist es wichtig, Jugendliche schon frühzeitig an den Musikverein zu binden, sie mit Aufgaben zu betrauen und sie mitbestimmen zu lassen. Es gibt bereits viele Ideen für gute Integrationsmöglichkeiten. So kann man beispielsweise Ansprechpartner, die von den Jugendlichen selbst gewählt werden und zu denen sie Vertrauen haben einführen. Diese Ansprechpartner, meist Jugendvertreter oder ein Jugendvorstand, sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Vorstand und Kindern und Jugendlichen im Verein. Sie vertreten deren Interessen und planen verschiedene Aktivitäten, um die Jugendlichen einzubinden. So können sich Jugendliche gleichzeitig am Entscheidungsprozess beteiligen und mitbestimmen, zum Beispiel wenn es um das zu spielende Repertoire geht, wenn Ausflüge oder Feste geplant werden. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen dabei ernst genommen werden und dass sie dies auch merken. Ein anderes Beispiel ist, die Jugendlichen mit verschiedenen Posten zu betrauen. Das kann ein zeitlich begrenztes Amt in der Vorbereitung auf ein Fest sein oder ein längerfristiges, wie die Aufgabe, die Noten vor der Probe zu verteilen. Dadurch sehen sie, dass sie gebraucht werden. Sie fühlen sich akzeptiert und als Teil des Vereins. Man gibt ihnen wichtige Aufgaben und verleiht ihnen somit Anerkennung und Respekt.

Ich möchte noch auf einen weiteren Aspekt in der Problematik hinsichtlich der Nachwuchsgewinnung der Musikvereine aufmerksam machen. Dies ist die flächendeckende Einführung der Ganztagsschulen, die vielen Vereinen Probleme bereitet, Kinder für die Vereinsarbeit zu gewinnen.

Immer mehr Eltern sind mittlerweile gezwungen, ihre Kinder in die Ganztagsschulen zu geben, da sie meist auch den ganzen Tag arbeiten. Die Kinder kommen montags bis donnerstags erst gegen fünf Uhr nachmittags aus der Schule und haben dann oft keine Lust mehr, noch zu üben oder eine Probe zu besuchen. Der freie Freitagnachmittag ist vollgestopft mit anderen Aktivitäten, da viele Vereine, wie beispielsweise die Sportvereine, ihr Training auf diesen Nachmittag verlegen. Hier ist anzudenken, dass sich die Musikvereine in die Schulen einbringen. Es müssen andere Strukturen geschaffen werden, um die Kinder an ein Instrument heranzuführen. Einige Schulen bieten schon Bläserklassen an, die den Schülern erste Eindrücke in ein Instrument geben. Diese Bläserklassen sind allerdings meistens auf ein Jahr begrenzt, und die Kinder müssen sich danach umorientieren.

Aber ist es für einen Verein möglich, sich an die schulischen Strukturen anzupassen?

Ja und nein. Die Institution Schule hat feste Strukturen, die nicht so leicht aufzuweichen sind. Das bedeutet, dass der Verein gezwungen ist, sich in einen bestimmten Rahmen zu integrieren. Der Nachmittagsunterricht variiert dabei von Schule zu Schule sehr stark. In manchen Schulen wird unterrichtet, in anderen werden die Schüler nur betreut. Der Verein muss sich also zunächst einmal mit der Struktur der Schule vertraut machen und kann sich dann im Nachmittagsbereich integrieren. Man kann zum Beispiel Blockflöten-, Rhythmus- oder Bläserklassen von Vereinsmitgliedern anbieten lassen. Hier können sich dann auch die Jugendlichen wieder engagieren, denn sie haben oft wenigstens an einem oder zwei Nachmittagen Zeit und sind auch noch mit dem System Schule vertraut. Schwierig wird es allerdings, die Schüler über den Unterricht hinaus an den Verein zu binden. Hier kommen wieder die niederschwelligen Angebote ins Spiel. Denn nur durch gemeinsame Aktivitäten mit den Vereinsmitgliedern lernen die Kinder andere ereinsmitglieder kennen, können neue Freundschaften knüpfen und sich dann auch vorstellen, in ihrer Freizeit an der Vereinsarbeit teilzunehmen.

Wie sie sehen, gibt es viele unterschiedliche Vorraussetzungen zu beachten, es kann, meist abhängig vom Alter der Kinder oder Jugendlichen, zu unterschiedlichen Problem kommen. Aber es gibt viele gute Lösungsansätze, und der Kreativität der Vereine sind kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass sich die Vereine auch mit diesem Thema beschäftigen und sich neue Wege einfallen lassen, Kinder zu begeistern und Jugendliche zu motivieren. Nur so kann ein Verein über Jahrzehnte hinweg überleben, funktionieren und zu einem festen Bestandteil einer Gemeinde werden!

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


zurück
Benutzer:

Passwort:

Kostenlos registrieren
Benutzername vergessen?
Passwort vergessen?
Glücksspirale
05.09.10 Innenstadtfest Bad Sobernheim Blasorchester 1924 Staudernheim e.V. in Bad Sobernheim
10.09.10 25 Jahre Maxsainer Blaskapelle e.V. Maxsainer Blaskapelle e.V. in Maxsain
11.09.10 25 Jahre Maxsainer Blaskapelle e.V. Maxsainer Blaskapelle e.V. in Maxsain
12.09.10 Hahnstätter Markt Musikkorps 'Blau-Orange' Frickhofen e.V. in Hahnstätten
12.09.10 25 Jahre Maxsainer Blaskapelle e.V. Maxsainer Blaskapelle e.V. in Maxsain
[ Inhalt | Hilfe | Impressum ]
info@lmv-rlp.de
Konzept, Programmierung, Layout © dvo-newmedia